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Pflichtverteidiger oder besser kein Pflichtverteidiger in Berlin?

Pflichtverteidiger Berlin

Sie haben eine Anklageschrift vom Amtsgericht Berlin erhalten, verbunden mit der Aufforderung, einen Pflichtverteidiger zu benennen? Dann sind sie hier zunächst einmal richtig. Denn anstatt vor schnell einen Pflichtverteidiger aus Berlin mit der Wahrnehmung ihrer Interessen beauftragen zu lassen, sollten Vorteile und Nachteile, einer solchen Lösung sorgfältig abgewogen werden.

Als eine der mittlerweile bundesweit größten Kanzleien für Strafrecht sprechen wir immer wieder mit Betroffenen, die fast am Ende ihres Strafverfahren stehen. Häufig berichten mir Beschuldigte, erst einmal gut gläubig und völlig arglos, einen Anwalt als Pflichtverteidiger in Berlin genommen zu haben. Manche berichten auch davon, sich zu dem Schreiben überhaupt nicht verhalten und auf das Schreiben nicht reagiert zu haben, man habe sich einfach einen Pflichtverteidiger durch das Amtsgericht Berlin bei ordnen lassen und auf dessen Kompetenz vertraut. Nach Abschluss des Verfahrens kommt dann häufig das sprichwörtlich böse erwachen: der Pflichtverteidiger hat vor Gericht wenig beziehungsweise gar nichts getan.

So etwas lässt sich unserer Erfahrung nach vermeiden, wenn sich Betroffene zunächst frühzeitig darüber informieren, was es überhaupt bedeutet, einen staatlich Beigeordnete Pflichtverteidiger aus Berlin zu haben. Welche Nachteile hat es, sich keinen eigenen Anwalt zu nehmen, sondern sich einen Pflichtverteidiger zu teilen zu lassen?

hierzu zu sagen, ist zunächst einmal, dass ein Pflichtverteidiger kein kostenloser Anwalt ist. Die Kosten eines Pflichtverteidigershat ein Beschuldigter im Falle der Verurteilung zu tragen, insofern geht der Staat lediglich in Vorleistung für die Tätigkeit, abhängig von dem Abschluss des Verfahrens werden die Kosten natürlich auf den Beschuldigten umgelegt. Ein Umstand, dessen sich viele nicht bewusst sind, Teilweise denken Beschuldigte nach Eingang des Schreibens des Amtsgerichts Berlin mit der Aufforderung zur Benennung eines Pflichtverteidigers, dessen Dienstleistung sei insgesamt kostenlos. Dem ist nicht der Fall.

Darüber hinaus befindet sich ein staatlicher Pflichtverteidiger in Berlin, naturgemäß in einer psychologischen Zwickmühle, zwischen einerseits einer engagierten Wahrnehmung des Beschuldigten und andererseits im eigenen Interesse daran, in Zukunft durch das Amtsgerichtsmit weiteren Pflicht Mandaten bedacht zu werden. Dieser Konflikt ist unserer Erfahrung nach nicht aufzulösen beziehungsweise eine mögliche Lösung geht immer zulasten der Beschuldigten, immerhin handelt es sich hierbei lediglich um ein einzelnes Mandat. Die Arbeit auf Grundlage zugewiesenen Pflicht. Verteidigungen ist hingegen häufig ein Geschäftsmodell wirtschaftlich schwache Anwälte, diese insofern auf entsprechende staatliche Zuwendungen angewiesen. Um sich mit dem Amtsgericht Berlin in Bezug auf die Vergabe von Pflichtverteidigung in Zukunft aber  Nicht zu verderben, üben sich Kollegen teilweise in Zurückhaltung, was den Einsatz und das Engagement vor Gericht anbelangt. Denn nichts ist im eigenen Interesse geschäftsschädigend da, als gegenüber dem Amtsgericht als Arbeitgeber in den Ruf zu geraten, den Richtern die Verhandlung unnötig schwer zu gestalten.  Letzteres wäre dann damit verbunden, dass keine Pflicht Verteidigungen mehr zu gewiesen werden, was einer wirtschaftlichen Katastrophe in Form des Abbruches der Einnahmen gleich käme.

Doch Pflichtverteidiger in Berlin muss nicht zwingend durch das Amtsgericht ausgesucht und zu gewiesen werden. Nach Eingang der Aufforderung zur Benennung eines Pflichtverteidigers,hat man als Beschuldigter natürlich die Möglichkeit, sich selbst zu informieren und einen Kollegen darum zu bitten, das Mandat auf Grundlage einer Pflichtverteidigung zu übernehmen.

 

Doch was ist hiervon zu halten?

Aus unserer Sicht gibt es jedenfalls handfeste Gründe, die gegen einen Pflichtverteidiger in Berlin sprechen. Natürlich gibt es immer Betroffene, die über keinerlei finanzielle Mittel verfügen, zu nennen, wären hier Obdachlose, Drogenabhängiger oder langjährig, alkoholkrank Betroffene. Sofern sie nicht zu dieser Gruppe gehören, verfügen Sie wahrscheinlich zumindest über finanzielle Grundlagen, jedenfalls soweit, um einen eigenen Anwalt bezahlen zu können. Eins gleich an dieser Stelle vorweg: ein guter Strafverteidiger kostet in der Regel keine 10.000 € pro Verfahren Schritt, die Vergütung ist immer abhängig vom Experten Status, der Kompetenz und natürlich auch der Erfahrung. Eine finanzielle Lösung lässt sich aber in der Regel mit jedem Kollegen finden, und individuell abstimmen.

Entscheidet man sich für die zunächst augenscheinlich kostenlose Variante eines Pflichtverteidigersin Berlin, haben Betroffene häufig das Problem, dass gegebenenfalls nicht nur das Engagement des Anwalts angesichts der niedrigen Gebühren überschaubar ist. Darüber hinaus wird man den Pflichtverteidiger im laufenden Verfahren auch nicht mehr los, man gibt insofern die Hoheit über das Mandat sprichwörtlich aus der Hand. Den Auftraggeber des Pflichtverteidigersin Berlin ist nicht mehr man selbst, sondern ab dem Zeitpunkt der Beiordnung als Pflichtverteidiger das Amtsgericht Berlin. Ab diesem Zeitpunkt nicht mehr Dienstleister gegenüber dem Beschuldigten, dessen Interessen er engagiert vertritt, da ihm andernfalls im Zweifel die Entziehung des Auftrags droht. Sondern ab dem Zeitpunkt der Beiordnung als Pflichtverteidiger durch das Amtsgericht Berlin, ist ihm Pflicht Anwalt die Vergütung gesichert, völlig unabhängig von Art, Umfang und Engagement in der Sache sowie Höflichkeit gegenüber dem Mandanten. Oder um es deutlich zu sagen: ab dem Zeitpunkt der Beiordnung als Pflichtverteidiger durch das Amtsgericht Berlin

 

Doch was ist zu tun?

Sofern Sie eine Anklageschrift durch das Amtsgericht Berlin erhalten, verbunden mit der Aufforderung, einen Pflichtverteidiger zu benennen, ist Vorsicht geboten. Informieren Sie sich besonnen über die Vorteile und Nachteile eines Pflichtverteidigers, treffen Sie die Entscheidung bewusst und bleiben Sie immer her  Immer her über ihren eigenen Rechtsvertreter. Geben Sie die Verantwortung für ihre rechtliche Interessenvertretung nicht in die Hände des Gerichts, erst recht nicht bei der Frage der Auswahl des Pflichtverteidiger.